Liebe Freunde der alten Berliner S-Bahnen,
wie Sie aus der Presse und aus dem Fernsehen bestimmt schon erfahren haben, kam es am Sonnabend, 14. Juni 2008,
um 14.32 Uhr unmittelbar vor dem Haltepunkt Berlin Friedrichstraße (Nordsüd-S-Bahntunnel) in Fahrtrichtung Wannsee
zum bisher schwersten Unfall beim Einsatz historischer Berliner S-Bahnfahrzeuge.
Der an diesem Tag im Einsatz befindliche Vollzug in der Reihung ET/ES 165 231 + EB/ET 165 471 + 475/875 605 + 275 954/275 959
(von Süd nach Nord) fuhr nach seinem Einsatz auf dem Rückweg zum Abstellort im Betriebswerk Wannsee, weil am Wochenende die
Linie S 3 baubedingt keine Zuführung von und nach Erkner zuließ. Die Fahrgäste der zuvor absolvierten Sonderfahrt hatten
wohlbehalten ihren Bestimmungsort Pankow erreicht; es befanden sich auf dieser letzten, an diesem Tage vorgesehenen Leerfahrt
nur noch fünf fleißig gewesene Vereinsmitglieder an Bord sowie Jörg Danckwortt (Vorstand Betrieb), der mich auf dieser Fahrt
begleitet hatte. Wir befanden uns alle im ersten Wagen, als an der oben genannten Stelle der dritte Wagen dieses Vollzuges –
der EB 165 471 – entgleiste.
Es war an dieser kurvigen und durch Neigungswechsel unübersichtlichen Stelle im Streckenverlauf notwendig anzuhalten, weil das
letzte Signal vor dem Bahnsteig des Haltepunktes Friedrichstraße mit seiner Haltstellung noch den vorausfahrenden Zug sicherte.
Als dann die Weiterfahrt auf „Halt erwarten" möglich war, setzte ich den Zug wieder in Bewegung. Aber schon nach ungefähr einer
guten Viertelzuglänge Fahrt gab es einen Ruck entgegen der Fahrtrichtung, dem ein zweiter, etwas weniger starker, kurz darauf folgte.
Anschließend ging ich nach hinten zum Unfallort, um den Schaden zu besichtigen: Der Wagenkasten des Beiwagens EB 165 471 war von den
Kugelpfannen beider Drehgestelle gerutscht, das führende Drehgestell war in Fahrtrichtung rechts um etwa 45 Grad gedreht an der
Tunnelwand verkeilt. Dieses führende Drehgestell war in Richtung Wagenkastenmitte verschoben und hatte dabei Apparatekästen und
Bremsgestänge deformiert. Der Wagenkasten lehnte sich bei Stillstand des Zuges mit seinem Obergurt links am Zugangsbauwerk des
Haltepunktes Friedrichstraße an.
In Anbetracht dieses Schadenbildes ist es eine absolute Spitzenleistung, daß die Mannschaften des Hilfsgerätezuges der
S-Bahn Berlin GmbH an dieser Stelle im Nordsüd-S-Bahntunnel den EB 165 471 in knapp 24 Stunden wieder „auf den Beinen" hatte.
Und zwar auf seinen eigenen! Am Sonntagabend konnte der planmäßige S-Bahnverkehr auf der Strecke wieder aufgenommen werden.
Nun steht der gesamte Vollzug im Werk Schöneweide und ist Gegenstand von Untersuchungen zur Unfallursache…