Über Gleis 19

Veranstaltungsort, S-Bahn-Wagen und Verein an einem Platz.

Gleis 19 ist Gelände, Treffpunkt und manchmal auch Baustelle. Hier kommen regionale Veranstaltungen, alte Technik und Leute zusammen, die lieber anpacken als lange Reden halten.

Der Ort

Rustikal, offen und nicht auf schick gebügelt.

Zwischen Holz, Papier, Licht und Fahrzeugkultur ist ein Ort entstanden, der in keine saubere Schublade passt. Mal wird gefeiert, mal gestöbert, mal geschraubt - und meistens steht jemand daneben, der noch eine Geschichte dazu weiß.

Genau diese Mischung macht Gleis 19 aus. Besucher kommen für Konzerte, Märkte oder Treffen und merken schnell: Das hier ist kein sauber durchgestylter Veranstaltungsbau. Zum Glück.

Geschichte

Der S-Bahn-Wagen am Eingang erzählt den Ort mit.

Das Fahrzeug ist kein Deko-Gag. Es steht wirklich da, hat einiges hinter sich und passt deshalb ziemlich gut zu diesem Ort.

1921

Berliner S-Bahn-Wagen gebaut

Der Wagen am Eingang ist kein Dekostück, sondern ein echtes Fahrzeug mit langer Betriebsgeschichte im Berliner S-Bahn-Netz.

1936

Im Einsatz zur Olympia-Zeit

Der Wagen gehört zu einer Epoche, in der Schienenverkehr noch ganz selbstverständlich zum Alltag und zur Großstadtgeschichte gehörte.

2017

Ankunft am Gleis 19

Mit Kran, Tieflader und viel Einsatz wurde der Wagen nach Schwarze Pumpe gebracht und prägt seitdem den ersten Eindruck des Geländes.

Vereinsmitglieder des Gleis 19 e.V. vor dem S-Bahn-Wagen auf dem Gelände

Was bisher geschah

Der Wagen kam nicht zufällig hierher.

Seit August 2017 steht unmittelbar am Eingang des Geländes ein nachweislich originaler Berliner S-Bahn-Wagen von 1921 - kein Dekorationsstück, sondern ein Fahrzeug mit über neun Jahrzehnten Geschichte auf dem Buckel.

S Historische Linie · ET/ES 165 · Betriebschronik
  1. 1921

    Inbetriebnahme

    62 Jahre Regelbetrieb, u. a. Olympia 1936

  2. 1983

    Ausmusterung

    Über 20 Jahre im Betriebsbahnhof abgestellt

  3. 2007

    Restaurierung

    Wiederherstellung für den historischen S-Bahn-Traditionszug

  4. 2008

    Unfall

    Entgleisung im Nordsüd-Tunnel – danach Betriebswerk Schöneweide

  5. 2017

    Gleis 19

    Ankunft per Tieflader und Nacht-Schwertransport

Augenzeugenbericht

Walied Schön · Vorsitzender Verein Historische S-Bahn e.V. · Juni 2009

Liebe Freunde der alten Berliner S-Bahnen,
wie Sie aus der Presse und aus dem Fernsehen bestimmt schon erfahren haben, kam es am Sonnabend, 14. Juni 2008, um 14.32 Uhr unmittelbar vor dem Haltepunkt Berlin Friedrichstraße (Nordsüd-S-Bahntunnel) in Fahrtrichtung Wannsee zum bisher schwersten Unfall beim Einsatz historischer Berliner S-Bahnfahrzeuge.

Der an diesem Tag im Einsatz befindliche Vollzug in der Reihung ET/ES 165 231 + EB/ET 165 471 + 475/875 605 + 275 954/275 959 (von Süd nach Nord) fuhr nach seinem Einsatz auf dem Rückweg zum Abstellort im Betriebswerk Wannsee, weil am Wochenende die Linie S 3 baubedingt keine Zuführung von und nach Erkner zuließ. Die Fahrgäste der zuvor absolvierten Sonderfahrt hatten wohlbehalten ihren Bestimmungsort Pankow erreicht; es befanden sich auf dieser letzten, an diesem Tage vorgesehenen Leerfahrt nur noch fünf fleißig gewesene Vereinsmitglieder an Bord sowie Jörg Danckwortt (Vorstand Betrieb), der mich auf dieser Fahrt begleitet hatte. Wir befanden uns alle im ersten Wagen, als an der oben genannten Stelle der dritte Wagen dieses Vollzuges – der EB 165 471 – entgleiste.

Es war an dieser kurvigen und durch Neigungswechsel unübersichtlichen Stelle im Streckenverlauf notwendig anzuhalten, weil das letzte Signal vor dem Bahnsteig des Haltepunktes Friedrichstraße mit seiner Haltstellung noch den vorausfahrenden Zug sicherte. Als dann die Weiterfahrt auf „Halt erwarten" möglich war, setzte ich den Zug wieder in Bewegung. Aber schon nach ungefähr einer guten Viertelzuglänge Fahrt gab es einen Ruck entgegen der Fahrtrichtung, dem ein zweiter, etwas weniger starker, kurz darauf folgte. Anschließend ging ich nach hinten zum Unfallort, um den Schaden zu besichtigen: Der Wagenkasten des Beiwagens EB 165 471 war von den Kugelpfannen beider Drehgestelle gerutscht, das führende Drehgestell war in Fahrtrichtung rechts um etwa 45 Grad gedreht an der Tunnelwand verkeilt. Dieses führende Drehgestell war in Richtung Wagenkastenmitte verschoben und hatte dabei Apparatekästen und Bremsgestänge deformiert. Der Wagenkasten lehnte sich bei Stillstand des Zuges mit seinem Obergurt links am Zugangsbauwerk des Haltepunktes Friedrichstraße an.

In Anbetracht dieses Schadenbildes ist es eine absolute Spitzenleistung, daß die Mannschaften des Hilfsgerätezuges der S-Bahn Berlin GmbH an dieser Stelle im Nordsüd-S-Bahntunnel den EB 165 471 in knapp 24 Stunden wieder „auf den Beinen" hatte. Und zwar auf seinen eigenen! Am Sonntagabend konnte der planmäßige S-Bahnverkehr auf der Strecke wieder aufgenommen werden.

Nun steht der gesamte Vollzug im Werk Schöneweide und ist Gegenstand von Untersuchungen zur Unfallursache…

Gleis 19 e.V.

Der Verein hält vieles im Hintergrund zusammen.

Hinter vielen Veranstaltungen, Arbeitseinsätzen und kleinen Baustellen steckt der Gleis 19 e.V. Er organisiert mit, hält den Kontakt zusammen und sorgt dafür, dass der Standort nicht nur benutzt, sondern auch gepflegt wird.

  • Gleis 19 e.V. trägt das Gelände und viele Veranstaltungen organisatorisch mit.
  • Mitglieder helfen bei Aufbau, Pflege, Ausschank, Technik und dem ganzen Kleinkram, der sonst liegen bleibt.
  • Mitmachen ist wichtiger als Vereinsmeierei. Und ja, manchmal heißt das auch Stühle tragen.

Kontakt & Verein

Anschrift

Gleis 19 e.V.
Straße des Aufbaus 19
03130 Spremberg OT Schwarze Pumpe

Ansprechpartner

Holger Schwarz · 0172 3475379
Heiko Süßmann · 0174 9477043

E-Mail

gleis.19@web.de